Ortsdurchfahrt

Ausbau Ortsdurchfahrt: Markeer wollen nicht locker lassen

 

Schon seit Jahren bemühen sich die Markeer darum, dass ihre Ortsdurchfahrt erneuert wird. Nachdem die MAZ-Leser die L 86 vor Kurzem zur schlechtesten Straße im Osthavelland gekürt haben, wollen sie die Anstrengungen wieder verstärken.

 

Mit einem kurzfristig organisierten Auto-Korso und einem Hup-Konzert wurde kürzlich auf den schlechten Straßenzustand der Ortsdurchfahrt aufmerksam gemacht.

Mit einem kurzfristig organisierten Auto-Korso und einem Hup-Konzert wurde kürzlich auf den schlechten Straßenzustand der Ortsdurchfahrt aufmerksam gemacht. 

Quelle: Andreas Kaatz


Ihre Durchfahrtsstraße ist für die Markeer ein ständiges Ärgernis. Wenn die schweren Lkws tagtäglich dort entlangfahren, werden sie immer wieder daran erinnert, wie schlecht der Fahrbahnzustand wirklich ist. In den Schränken wackeln die Gläser und klirren die Tassen. An manchen Häusern entstehen durch die ständigen Erschütterungen Risse.
Kein Wunder also, dass die L 86 durch Markee und Markau den Titel „Schlechteste Straße im Osthavelland“ errungen hat – gewählt vor Kurzem von den MAZ-Lesern. Zur Titel-Verleihung durch die MAZ-Lokalredaktion „Der Havelländer“ haben die Dorfbewohner schnell einen Autokorso auf die Beine beziehungsweise Räder gestellt und machten laut hupend auf den katastrophalen Zustand aufmerksam.

 

Seit 2006 vertröstet
Doch dabei wollen es die Markeer nicht bewenden lassen. So war die Ortsdurchfahrt Thema in der jüngsten Sitzung des Ortsbeirates. Dort ist man der Meinung, dass ein Ausbau der Straße unbedingt erforderlich ist. „Der Landesbetrieb Straßenwesen vertröstet uns aber schon seit 2006 immer wieder“, sagt Ortsvorsteher Ralph Bluhm (LWN).
Er schlug vor, dass auf der L 86 im Dorf nicht nur für Lkws 30 km/h gelten sollte, sondern für alle Fahrzeuge. Dazu müsste ein entsprechender Antrag an die Straßenverkehrsbehörde gestellt werden. In einem zweiten Schritt könnte man dann mit dem Landesbetrieb Straßenwesen ins Gespräch kommen, um zu erfahren, wie es weitergehen könnte mit einem Ausbau der Straße.

 

Schild wurde abgebaut
Zumindest in einem Falle habe die Behörde schnell reagiert, hieß es sarkastisch im Ortsbeirat – nämlich als sie anordnete, dass das von der MAZ übergebene Schild „Schlechteste Straße“ vom Fahrbahnrand zu entfernen ist. Jetzt befindet es sich auf einem Privatgrundstück neben der Straße.
Thomas Große Rüschkampf (CDU) vom Ortsbeirat fand die Idee mit der Titelverleihung und dem Korso gut, um so den politischen Druck zu erhöhen. „Wir sollten jetzt den Schwung ausnutzen und auch die Landesregierung und die Abgeordneten ansprechen. Andere Möglichkeiten sehe ich nicht“, meinte er.

 

Straße im Grünen Netz
„Vor zehn Jahren wurde uns schon gesagt, dass kein Geld da ist“, sagte Bluhm. Für ihn ist es angesichts der Verkehrsbelastung nicht nachvollziehbar, warum die Straße in das so genannte Grüne Netz und damit als nachrangig eingeordnet worden ist. Er verwies auf die Verkehrsprognose und auf eine von der Stadt Nauen 2017 veranlasste Verkehrszählung durch ein Fachbüro.
So geht die Prognose des Landes für 2030 von 2000 Fahrzeugen am Tag aus. Die Verkehrszählung habe jedoch schon 2017 an einem Wochentag im Juni 2046 Fahrzeuge ergeben. „Und danach ist Hermes erst so richtig in Gang gekommen“, sagte er.

 

Es sollte nachgesteuert werden
„Deshalb muss hier in den Planungszahlen nachgesteuert werden. Und wir müssen auf den gestiegenen Wirtschaftsverkehr hinweisen.“An übergeordneter Stelle gehe man anscheinend von falschen Planungsgrundlagen aus. „Offenbar weiß man da nicht so richtig Bescheid, was durch unseren Ort fährt“, meinte Bluhm.
2011 wurde seitens des Landes die gegenüber anderen Landesstraßen geringe Verkehrsbelastung als einer der Gründe genannt, warum die L 86 nicht in das aktuelle Bauprogramm des Landes aufgenommen worden war. Ein weiterer Grund war, dass die Straße keine außerordentlich hohe Priorität etwa für die Erschließung zentraler Orte aufweise.

 

Status der Straße soll sich ändern
Deshalb müsse man am Status der Straße etwas ändern, schlug Bluhm vor. Ansonsten werde man beim Straßenbau immer ganz hinten stehen. Die Markeer wollen jetzt ein Schreiben an das brandenburgische Infrastrukturministerium schicken, mit dem auf den schlechten Zustand der Straße und auf die Notwendigkeit eines Ausbaus aufmerksam gemacht werden soll. Außerdem ist geplant, öffentlichkeitswirksame Maßnahmen zu organisieren. Und es sollen auch Landtagsabgeordnete um Hilfe gebeten werden.
Im Gespräch waren im Ortsbeirat aber auch noch andere Varianten für eine Übergangszeit bis zum Ausbau. Eine schlug Anwohnerin Kathleen Motzek vor: „Ich spreche für Leute, die direkt an der Markeer Hauptstraße wohnen. Ich bin dafür, dass sie für Lkws über 7,5 Tonnen gesperrt wird. Die Straße ist für eine solche Belastung nicht ausgelegt, aber der Lkw-Verkehr nimmt immer mehr zu.“

 

Landesbetrieb kann keine Hoffnung machen
Für Bewohner von Markee sollte es dann Ausnahmegenehmigungen geben. Aber auch ein Erschütterungsgutachten hält sie für sinnvoll. Dass man einen Antrag stellt, damit auf der L 86 für alle Fahrzeuge 30 km/h gelten, wurde im Ortsbeirat nicht befürwortet.
Große Hoffnungen auf eine schnelle Lösung kann Frank Schmidt vom Landesbetrieb Straßenwesen den Markeern nicht machen: „In den nächsten zwei Jahren ist nicht damit zu rechnen, weil es noch viele Ortsdurchfahrten gibt, die genauso schlimm sind oder noch schlimmer – beispielsweise in Wachow.“ Der Zustand in Markee sei bekannt, aber es stünden eben nur begrenzte Haushaltsmittel zur Verfügung. Er könne nicht sagen, wann es mit der L 86 losgehen kann.
Von Andreas Kaatz


Herausgegeben: www.maz.de am 21. April 2021 


Voting „Schlechteste Straße“: Autokorso und Hupkonzert

Die MAZ-Aktion „Schlechteste Straße im Osthavelland gesucht“ hat einen Sieger. Knapp 1000 Leser wählten die L 86-Ortsdurchfahrt in Markee zu schlechtesten Piste. Mit einem Autokorso und einem Hupkonzert machten die Markeer auf den schlechten Zustand ihrer Straße aufmerksam.

 

Coronakonforme Preisverleihung: Ortsvorsteher Ralph Bluhm (vorn rechts) nimmt nach dem Autokorso das Schild von Redaktionsleiter Sebastian Morgner entgegen.

Coronakonforme Preisverleihung: Ortsvorsteher Ralph Bluhm (vorn rechts) nimmt nach dem Autokorso das Schild von Redaktionsleiter Sebastian Morgner entgegen. 

Quelle: Andreas Kaatz

 

Punkt 17 Uhr in Markee: Mit einem großen Hupkonzert setzt sich ein Autokorso durch das Dorf in Bewegung. Knapp 30 Fahrzeuge haben sich angeschlossen. Mit dieser extralauten Aktion wollen die Einwohner mal wieder auf den immer schlechteren Zustand ihrer Ortsdurchfahrt L 86 aufmerksam machen.

Anlass war ein besonderer, wenn auch wenig schmeichelhafter, Titel, den die alte Pflasterstraße errungen hat: Im Rahmen der MAZ-Aktion „Schlechteste Straße im Osthavelland gesucht“ wurde sie bei der Abstimmung der MAZ-Leser mit insgesamt 993 Stimmen zum Sieger gekürt.

 

Mit einem Autokorso wurde auf den schlechten Zustand der Straße aufmerksam gemacht.

Mit einem Autokorso wurde auf den schlechten Zustand der Straße aufmerksam gemacht. 

Quelle: Andreas Kaatz

 

Zur Preisverleihung durch Redaktionsleiter Sebastian Morgner hatte sich dann Ortsvorsteher Ralph Bluhm (LWN) heimlich etwas ganz Besonderes einfallen lassen und überraschte damit sogar die MAZ-Redakteure – nämlich den bewussten Autokorso.

 

Eine Endlos-Geschichte
Innerhalb eines Tages wurden die Genehmigungen eingeholt, für die er der Polizei auch dankbar ist, die den Korso letztlich begleitete. „Es ist eine Endlos-Geschichte. Die Schmerzgrenze ist schon lange überschritten“, sagte Ralph Bluhm. Seit Jahrzehnten kämpfen die Markeer für eine neue Straße, denn die jetzige raubt den Anwohnern im wahrsten Sinne des Wortes den Schlaf.

 

Anwohnerin Sally Löper ärgert sich immer wieder, dass die Lkws viel zu schnell durch den Ort fahren.

Anwohnerin Sally Löper ärgert sich immer wieder, dass die Lkws viel zu schnell durch den Ort fahren. 

Quelle: Sebastian Morgner


Davon kann unter anderem Sally Löper ein Lied singen. „Morgens um halb drei ist oftmals schon die Nacht zu Ende, dann fahren die ersten Lkws im Ort los. Und ab 6 Uhr geht es dann richtig los mit dem Lkw-Verkehr auf der Straße“, sagt sie. Dabei handle es sich nicht nur um die Autotransporter aus dem nahe Gewerbegebiet. 

Die 41-Jährige beklagt, dass sich viele Lkws nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h halten. Wenn sie dann mit höherem Tempo übers lädierte und mit vielen Dellen versehene Pflaster fahren, müsse man sich anschreien, wenn man sich draußen unterhalten will.

 

Kathleen Motzek wird schon früh am Morgen von vorbei fahrenden Lkws geweckt.

Kathleen Motzek wird schon früh am Morgen von vorbei fahrenden Lkws geweckt. 

Quelle: Andreas Kaatz

 

Da wackelt der Bildschirm
Das kennt auch Kathleen Motzek zur Genüge. Sie wohnt mit ihrer Familie ebenfalls direkt an der Straße – seit dreieinhalb Jahren. „Seitdem ich im Homeoffice bin, fällt es mir besonders auf, wie extrem schlecht die Straße ist“, sagt sie. So wackle der Bildschirm des Computers, wenn die Lkws mal wieder viel zu schnell vorbeifahren.

Auch die Gläser klirren im Schrank, wenn sich die Vibrationen auf ihr Haus von 1936 übertragen, das schon so einige Risse aufweist. „Die Straße ist für den Verkehr mit 40-Tonnern einfach nicht ausgelegt“, sagt die junge Frau, die regelmäßig ab vier Uhr morgens durch den Lkw-Verkehr aufgeweckt wird.

 

Dirk Karrasch und Andreas Löper bringen das MAZ-.Schild an der Straße an.

Dirk Karrasch und Andreas Löper bringen das MAZ-.Schild an der Straße an. 

Quelle: Andreas Kaatz

 

Schlafen mit Ohropax
Über nervigen Lärm berichtet aber auch Jacqueline Richter. Sie wohnt nicht mal direkt an der Ortsdurchfahrt, bekommt den Krach in der Schulstraße aber trotzdem mit. Nebenan wohnen Schwiegereltern. „Schwiegermutter kann nur noch mit Ohropax schlafen.“ Außerdem macht sie sich Sorgen um die Verkehrssicherheit ihrer Kinder. „Sie müssen jeden Tag mit dem Bus nach Nauen und Ketzin zur Schule fahren und dazu auch die Straße überqueren“, sagt sie.

 

Stephan Löbig meinte: „Da stellt sich die Frage, ob man nicht in Höhe der Haltestelle eine Verkehrsinsel mit Fußgängerüberweg errichtet.“ Denn nicht nur die Kinder hätten Probleme, die Straße zu überqueren, auch ältere Menschen, die mit Rollator oder Rollstuhl unterwegs sind.

 

Zufällig beobachtet hatte Ricardo Michalski die Titelverleihung. Wie er sagt, sei er in Markee aufgewachsen, lebt aber mittlerweile in Berlin und besucht das Dorf nur noch selten. „Dann fällt mir die Verschlechterung der Straße noch intensiver auf als in der Zeit, als ich sie täglich benutzt hatte. “Zudem beobachtet er, wie die Radfahrer notgedrungen den Gehweg benutzen, was manchmal zu heiklen Situation mit Fußgängern führe.

 

Leiser Asphalt wird gefordert
„Wir sind dafür, dass die Straße ausgebaut wird und leisen Asphalt bekommt. Das würde allen Bürgern helfen“, sagt Ortsvorsteher Bluhm. Doch leider sei für diese Landesstraße bisher kein Geld da. Den Lkw-Verkehr zu verringern, sei schwierig.

 

Der Zustand der Fahrbahn ist katastrophal.

Der Zustand der Fahrbahn ist katastrophal. Quelle: Andreas Kaatz

 

Zwar gebe es Anweisungen von Firmen wie Mosolf oder Hermes an ihre Fahrer, nicht durch Markee zu fahren, doch das helfe nicht in jedem Fall. Zumal auch andere Lkws sich von ihren Navis durch Markee führen lassen. Die MAZ-Aktion ist für Bluhm der Startschuss dafür, das Engagement für eine neue Straße wieder zu erhöhen.


„Als nächsten Schritt werden wir an die Verantwortlichen vom Landesbetrieb Straßenwesen herantreten und fragen, was zu tun ist, damit wir den Titel ’Schlechteste Straße’ wieder loswerden. Anfangen werden wir aber damit, wieder die 30 km/h für alle Fahrzeuge zu beantragen.“
Von Andreas Kaatz


Herausgegeben: www.maz.de am 03. April 2021 Hier